Margret Hoppe

Die verschwundenen Bilder _ 2007

Beim Fall der Berliner Mauer 1989 war Margret Hoppe gerade acht Jahre alt und damit zu jung, um den Systemwechsel selbst bewusst miterlebt zu haben:

 

„Da ich Kunst studiert habe und mich hauptsächlich mit Fotografie beschäftigte, nahm ich besonders die Abwesenheit, das Verdrängen der Kunst aus dem alten System wahr. Die Bilder von Künstlern wie Werner Tübke, Bernd Heisig, Willi Sitte, Wolfgang Peuker und vielen anderen waren in öffentlichen Gebäuden zu sehen und somit Bestandteil meines alltäglichen Umfeldes. Als ich sah, dass diese Bilder zusehends verschwanden, begann ich dieses Verschwinden mit Hilfe der Fotografie aufzunehmen. Das ist natürlich ein Wettlauf gegen die Zeit – meine Bilder zeigen nur die Leere, höchstens Spuren von Bildern, die zerstört, abgenommen oder übermalt wurden, denn ich bin sozusagen zu spät gekommen […].“

 

Zum anderen sucht Margret Hoppe Archive und Depots auf, in denen diese Bilder mit ungewisser Zukunft, verwahrt oder auch vergessen werden. Liest man die Beschriftungen der Fotos, dann fallen einem die langen Titel mit den genauen Angaben auf:

 

„Die Titel der Fotografien verweisen durch die Erwähnung von Autor, Bildtitel, Jahr und Ort auf die »verschwundenen Bilder« und sind somit Stellvertreter für diese. Sichtbar sind stille Tatorte, die auf den Punkt hinweisen, an dem Erinnerung verlöscht. Unsichtbar bleiben die Bilder, an die mit Hilfe der Fotografie erinnert wird. […]"

 

© Erle Bessert 

© Margret Hoppe „Bernhard Heisig – ohne Titel, 1969 Sgraffito, 400 × 1200 cm Gästehaus des Ministerrates der DDR, Leipzig“, 2006, Gästehaus am Park, Leipzig, C-Print, 110 × 140 cm
© Margret Hoppe „Bernhard Heisig – ohne Titel, 1969 Sgraffito, 400 × 1200 cm Gästehaus des Ministerrates der DDR, Leipzig“, 2006, Gästehaus am Park, Leipzig, C-Print, 110 × 140 cm
© Margret Hoppe „Günter Brendel, Großes Stilleben, 1975/76, Dispersion auf Hartfaser, 280 × 268 cm, Palast der Republik Berlin“, 2007, Depot Deutsches Historisches Museum Berlin, C-Print, 100 × 130 cm
© Margret Hoppe „Günter Brendel, Großes Stilleben, 1975/76, Dispersion auf Hartfaser, 280 × 268 cm, Palast der Republik Berlin“, 2007, Depot Deutsches Historisches Museum Berlin, C-Print, 100 × 130 cm