Margret Hoppe

Bulgarische Denkmale _ 2008

Margret Hoppes Fotografien gehen einer langen Recherchearbeit voraus und so arbeitet sie an verschiedenen Serien gleichzeitig. Wichtig ist ihr dabei die Aufarbeitung der Vergangenheit und somit zieht sich wie ein roter Faden das Thema „Geschichte und Erinnerung“ durch ihr Fotowerk.

   

Das ähnelt dem auslösenden Impuls der Fotoarbeiten von Bernd und Hilla Becher, die neben Margret Hoppes Professoren zwei ihrer großen Vorbilder sind. Allein aus historisch-dokumentarischen Gründen kommt den seriellen Bildern der Bechers heute eine große kulturgeschichtliche Bedeutung zu. Auch ist es ihnen gelungen, scheinbar banalen Ingenieurbauten – wie Getreidesilos oder Gasbehältern – einen Wert zu verleihen, der bislang nur der Architektur oder gar nur der Skulptur zuerkannt wurde.

 

Margret Hoppe positioniert sich mit ihren Arbeiten jedoch zwischen empathischem Nachempfinden einerseits und einem dokumentarisch-archivarischem Aufzeichnen der Situation andererseits, wobei sie sich nicht als Dokumentarfotografin sieht, sondern ihre Fotografien als Bild für ein Bild stehen. Dabei wird nichts gestellt oder digital bearbeitet, alles wird so belassen, wie es vorgefunden wurde. Auch wenn ihre Arbeiten seriell angelegt sind und sich aufeinander beziehen, „muss jedes Bild für sich ein gutes Bild“ und aussagekräftig sein.

 

Ähnlich der Serie „Die verschwundenen Bilder“ bei der Margret Hoppe den Spuren von Kunst aus der ehemaligen DDR nachging und die Leerstellen in Räumen, an Wänden oder an Hausfassaden, die nach dem Abnehmen oder Übermalen der Bilder entstanden sind, fotografierte, ist die Serie „Bulgarische Denkmale“ aufgebaut:

Auch hier dokumentiert Margret Hoppe den Umgang mit der sozialistischen Vergangenheit.

 

Als sie im Juli 2007 in Bulgarien ankam, verbrachte sie zunächst einen Monat in der Bibliothek und sprach mit Einheimischen über ihr Projekt. Danach suchte sie in Archiven und großen Depots nach Wandgemälden und Statuen, die einst an exponierten Stellen hingen oder standen und nun irgendwo verwahrt werden und einer ungewissen Zukunft entgegen sehen. Zumeist waren es Auftragsarbeiten des Bulgarischen Staates, die während der kommunistischen Zeit errichtet und angebracht wurden und nach dem Systemwechsel in die Bedeutungslosigkeit fielen. Denkmäler oder wie die ehemals überdimensionalen Monumente auf dem Busludscha-Gipfel im Balkangebirge sind dem langsamen Verfall überlassen, wobei umso mehr auch der Bedeutungswandel von Denkmälern im postkommunistischen Bulgarien deutlich wird.

© Erle Bessert